Interaktiv Spezial Bodenarbeit Zirkus Reiten/Fahren Zucht Gesundheit/Haltung Mix
Startseite Gesundheit/Haltung Pferdehaltung Offenstall

Gesundheit/Haltung


Pferdekrankheiten Pferdehaltung Richtige Pferdefütterung Medizin

Offenstall



Buchtipps Pferdesachen bei eBay Inhaltsverzeichnis Werbung Tinkerwelt Impressum Haftungsauschluß

Pferd und Offenstall

Offenstall: die richtige Pferdehaltung?

So ein schöner Offenstall

ist nicht leicht zu finden.

Die Grundidee eines Offenstalles

Auf der Suche nach einer artgerechten Haltung für sein Pferd entscheiden sich immer mehr Pferdebesitzer für die Offenstallhaltung. Dies hat verschiedene Gründe:

Es entspricht der Natur des Pferdes, im sozialen Verband mit Artgenossen zu leben. Im Offenstall ist das möglich. Die Pferde bilden eine Herde, in der feste Banden, Sympathien, aber auch Antisympathien entstehen. Die Rangordnung ist eindeutig. Es kann nur ein Alpha-Tier geben. Alle anderen Tiere sind untergeordnet und haben einen klar definierten Platz in der Herde. Das vielfältige Sozialverhalten der Tiere lässt sich in der Offenstall-Haltung sehr gut beobachten. Es geht vom freundschaftlichen Kraulen, über spielerische Kämpfe, ernsthaftes Hinterteil zeigen, drohendes Ohren anlegen, Schnappen, herzhaftes Beißen und Ausschlagen bis hin zum Steigen. Das alles ist in einer Boxenhaltung nicht möglich.


Robuster im Offenstall

Boxenhaltung zeichnet sich in vielen Ställen mit schlechter Klimatisierung gerade im Winter durch warm-feuchte Luft oder Zug aus. Auf die Dauer kann solch ein Klima der Pferdelunge Schaden zufügen. Ein Pferd braucht es prinzipiell nicht warm. Mit seinem dichten Winterfell ist es bestens für Wind und Wetter ausgerüstet. Selbst Regen leitet das Fell durch seine Wuchsrichtung und wassersammelnden Wirbel problemlos ab. Nur zu viel Nässe, wie z.B. bei längerem Dauerregen, macht dem Pferd zu schaffen. Eine Unterstellmöglichkeit mit trockenem Boden ist daher auch für robuste Offenstall-Pferde unbedingt notwendig.



Wie soll ein Offenstall aussehen?

Es gibt sowohl besser als auch weniger professionell geführte Offenställe. Es kann vorkommen, dass die Pferde in tiefem Schlamm stehen oder die ranghöheren Pferde die Rangniedrigeren von der Futterstelle vertreiben. Von so einem Offenstall sollte man lieber absehen. Krankheiten und Verletzungen der Pferde sind voraussehbar. Ein guter Offenstall ist hingegen gut durchdacht. Ist er verantwortungsvoll geführt und mit entsprechendem Fachwissen angelegt, so ist der Auslauf trockengelegt und mit Sand oder ähnlichem Untergrundmaterial aufgeschüttet. Ebenso muss, vor allem in größeren Herden, der Fress- und Ruhebereich getrennt sein. So können auch die rangniederen Pferde in Ruhe fressen, bzw. ruhen, ohne von den Ranghöheren vertrieben zu werden. Umso größer die Herde, desto sorgfältiger muss auf diese Trennung geachtet werden, denn auch Schwächere müssen in der Herde stressfrei leben können. Hier empfehlen sich mehrere Fressplätze um auch Rangniedrigeren Tieren eine ungestörte Futteraufnahme zu gewährleisten. Wichtig ist ebenso, den Stall auf Unfallgefahren hin zu überprüfen. Gefährlich sind tote Winkel, enge Durchgänge, hervorstehende Schrauben, Nägel, herunterhängende Seile oder Drähte. Hierbei kann es schnell bei fehlender Fluchtmöglichkeit zu bösen Verletzungen zwischen den Tieren kommen.

Die Grundidee des Offenstalles:

... die Offenstallhaltung soll die Grundbedürfnisse des Pferdes befriedigen. Aber was genau sind denn nun die Bedürfnisse des Pferdes?





Die 6 Grundbedürfnisse eines Pferdes:

1. Bewegung:
Reiten alleine reicht in der Regel nicht aus. In der Natur bewegt sich das Pferd täglich ca. 16 Stunden vorwiegend im ruhigen Schritt und legt dabei bis zu 30 km zurück.

2. Ernährung:
Pferde haben immer Appetit. Der kleine Magen der Pferde macht eine möglichst häufige Futteraufnahme in kleinen Portionen notwendig. Lange Freßzeiten sorgen für Beschäftigung und befriedigen das Kaubedürfnis. Dabei sollte das Pferd in seiner natürlichen Freßhaltung mit Kopf am Boden das Futter aufnehmen können.

3. Gesellschaft:
Pferde brauchen Freunde. In freier Wildbahn leben die Tiere in differenziert zusammengesetzten Familiengruppen und schließen außerdem Freundschaften. Nur durch den Kontakt zu seinen Artgenossen bleibt das Pferd seelisch stabil, was der Gesundheit sehr dient.

4. Unterhaltung:
Pferde gucken kein Fernsehen. Sie schauen aber gerne, zur Kontrolle des Umfeldes, in die Ferne und schärfen somit ihre hochempfindlichen Sinne. Diese müssen auch besonders aktiv sein, schützen sie doch das Pferd, als unbewaffnetes Fluchttier, vor drohender Gefahr. Ständige Wachsamkeit ist also angesagt.

5. Stall-Klima und Licht:
Pferde sind keine Tiere, die in der Natur in dunklen Höhlen wohnen. Sie kommen aus der baumlosen Steppe, wo sich ständig Wind und Wetter abwechseln und so den gesamten Organismus des Pferdes trainiert haben. Dabei trägt das Sonnenlicht zu einem gesunden Stoffwechsel bei und steuert auch seinen Biorhythmus. Extreme Klimaschwankungen und Temperaturstürze von 30 - 40 Grad pro Tag können sie daher gut verkraften.

6. Luft:
Pferde möchten am liebsten immer in Luft-Kurorten leben, denn das hochleistungsfähige Atemorgan, die Pferdelunge, verträgt nur absolut staub- und bakterienfreie Luft.

(Quelle: www.lag-online.de)

Mustermaß einer Pferdebox:

Für eine Innenbox ergeben sich nach der Formel: (2 x Widerristhöhe) hoch 2; - bei einem Großpferd von 170 cm Widerristhöhe 12 qm Mindestgröße!

In einer Haltung mit einem ständig zugänglichen Auslauf und außen liegender Tränke und Futterplatz, darf die Liegefläche schon wesentlich kleiner sein. Hier lautet die Formel: 2 x Widerristhöhe hoch 2;. So ergeben sich 6 qm pro Pferd. Dafür sollte der Auslauf die dreifache Größe des Ruheraums haben. In diesem Fall 18 qm.

Damit jedes Tier von dem Platzangebot auch Gebrauch machen kann und nicht von einem ranghohen Artgenossen ein- oder ausgesperrt wird, sind bei einer Gruppenhaltung stets zwei Ein- und Ausgänge oberstes Gebot!

Eingewöhnung und Rangordnung festlegen

Pferde, die sich nicht kennen, sollten nicht ohne Eingewöhnungszeit zusammengestellt werden. Meist gibt es sofort eine wilde Keilerei oder massive Rangkämpfe. Manchmal scheint es jedoch auch als würde alles von Anfang an gut gehen, doch der Schein kann trügen. Keines der alteingesessenen Pferde wird sich seinen Platz in der Herde vom "Neuzugang" streitig machen lassen. Daher ist es sehr wichtig, dass die Herde den neuen Kandidaten zuerst ein paar Tage/Wochen über den schützenden Zaun hinweg beschnuppern kann. Dazu wird am Besten ein Teil der Koppel oder des Paddocks abgetrennt. Natürlich sollte hier auch für das neue Pferde eine Fressmöglichkeit sowie ein Unterstand vorhanden sein.
Ideal ist es wenn man an dem eigentlichen Offenstall eine Box/Unterstand mit einem kleinen Auslauf anbaut. So können sich alle Tiere gefahrlos beschnuppern und kennen lernen.

Sanftes Eingewöhnen mit viel Zeit hilft


Nach der ersten Kennenlernphase über den Zaun, bringt man das neue Pferd am besten auf einen separaten Paddock mit jedem Herdenmitglied einzeln zusammen. Die empfindlichen Pferdebeine schützt man eventuell mit Transport-Gamaschen. Man selbst ist immer mit Gerte dabei. Sollten zwei wüste Raufbolde zusammentreffen, kann man kontrollierend eingreifen. Schlimme Verletzungen werden so vermieden. Erst wenn die Rangordnung zwischen dem Neuen und jedem der "Alten" geklärt ist, darf der „Neuling“ in die Herde.

Der Offenstall-Check

Bevor man sich für einen Offenstall entscheiden, sollte man folgende Punkte gründlich checken:

1. Gibt es einen trockenen, befestigten Auslauf?
2. Sind die Zäune in Ordnung?
3. Gibt es "tote Ecken" oder andere gefährliche Stellen?
4. Sind Futter- und Ruheplatz getrennt?
5. Sing genügend Fress- und Ruheplätze vorhanden?
6. Kann das neue Pferd schonend an die Herde gewöhnt
werden?

Wenn man die Punkte 1-6 positiv beantworten kann, hat man einen akzeptablen Stall gefunden.



Nachteile der Offenstallhaltung

Klar ist das die Offenstallhaltung zwar sehr viele Vorteile hat, aber auch die Nachteile sollen nicht unausgesprochen bleiben.
Bei der Offenstallhaltung muss man damit rechnen das sich das Pferd öfter wälzt und somit viel schmutziger als jedes Boxenpferd ist. Ebenso bekommen Offenstallpferde ein viel dickeres Winterfell, was ein intensives Training im Winter sehr erschweren würde, da man das nassgeschwitzte Pferd nicht einfach in den Offenstall zurück stellen kann.
Außerdem sollte man immer wieder mal mit kleineren Schrammen rechnen, denn Pferde spielen gerne und da wird schon einmal herzhaft gezwickt!


Schlusswort

Alles in allem hat die Offenstallhaltung sicher mehr Vor- als Nachteile, doch nicht alle Pferde eignen sich für diese Haltung. Sei es weil sie zu dominant oder zu unterwürfig sind etc. .
Man kann seinem Pferd mit einer guten Offenstall-Haltung sicher eine große Freude bereiten, vorausgesetzt der Stall ist pferdegerecht angelegt.
Das Pferd wird es einem langfristig mit Gesundheit und guter Laune danken.

Ein Beitrag von Sabsi (www.meintinker.com)