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Stelzfüße beim Fohlen

Unsere Geschichte von Jodok

Jodok

kurz nach der Geburt



Dies ist eine private Dokumentantion über "Jodok" und sein Werdegang mit angeborenen Stelzfüßen.

"Jodok" ( = der Kämpfer) wurde am 8.Juli 2006 geboren. Durch viele Widrigkeiten kämpfte sich unser kleiner Tinkerhengst seinen Weg ins Leben, der sehr steinig begann.


8. Juli 2006 - Jodok erblickt das Licht der Welt

Morgens früh um 10 kam ein überraschender Anruf: meine Stute gebar ihr erstes Fohlen: ein kleiner Tinkerhengst. Rasch packten wir unsere sieben Sachen und eilten zum Ort des Geschehens, in den Stall. Ein süßer kleiner und noch blutiger Wonneproppen schaute uns an: unser erstes Fohlen sollte es sein! Hübsch gezeichnet und etwas zierlich, da er 3 Wochen zu früh auf die Welt kam.

Der Schreck fuhr mir in die Glieder, als ich seine Vorderbeine sah: verkrümmt und windschief lag er im Stroh, ein Aufstehen war auf diesen Beinen unmöglich!

Ein Stelzfuß

Ich rief sofort den Tierarzt an und machte in der Zwischenzeit das einzig richtige: ich besorgte mir ein Babyfläschchen und melkte die Mutterstute, deren Euter inzwischen prall gefüllt war. Die erste Milch ist die wichtigste, war mir noch in Erinnerung, denn sie versorgt das Fohlen mit lebenswichtigen Immunstoffen. Jodak trank sofort gierig und versuchte vergeblich auf die Beine zu kommen.

Eine Stunde später traf der Tierarzt ein und sah sich besorgt das Fohlen an. Nun mußte die Entscheidung gestellt werden: einschläfern, oder hoffen und den Hengst in die Klinik bringen? Die Heilungschancen standen 50 : 50 laut Tierarzt - wir entschieden uns für das Hoffen, denn "klein Jodok" kämpfte schon jetzt wie eine kleine "Powerflocke"!

In der Klinik

Jodok wird gefüttert

und zeigt großen Appetit!

Nach einer Stunde Fahrt trafen wir in der Klinik ein. Jodok wurde in die Box getragen und sofort mit Infusionen versorgt. Der Tierarzt machte uns Hoffnung, da unser Hengstchen viel Kämpfergeist beweist. Die Beine wurden verbunden und geschient. Da ein Aufstehen nach wie vor nicht möglich war, fütterten wir Jodok mit der Babyflasche. Regelmäßig stellen wir ihn auf die geschienten Füße und halten ihn, damit er an das Euter der Mutter kommt. Am ersten Tag trank er nicht am Euter, denn die Erschöpfung war zu groß.

9. Juli - Tag 2 in der Klinik

Melady mit Jodok

Jodok macht inzwischen einen wacheren Eindruck. Die Beine sind inzwischen mit Gipsschalen versehen und werden so langsam gestreckt. Ein Aufstehen ist schwierig, denn beide Vorderbeine sind gegipst und Jodok fällt nach wenigen Sekunden um.

Er versucht es heute aber immer wieder und kämpft sich seinen Weg nach oben, um kurz darauf müde im Stroh einzuschlafen. Der Hunger ist groß und gierig säuft er sein Babyfläschchen in wenigen Zügen aus.

Melady, die Mutterstute, ist eine Mama, wie es im Buche steht. Sobald wir Jodok in die Nähe des Euters stellen, läßt sie die Milch mit einem weiten Strahl laufen, so dass der kleine Mann nur noch sein Maul öffnen muß. Sie hebt sogar ihr Hinterbein und streckt es nach hinten weg, damit Jodok gut an das Euter kommt.

Melady, Du bist spitze!

12.Juli - Tag 5 in der Klinik

Jodok

mit straff geschienten Füßen

Jodok kämpft weiter! Jodok hat inzwischen ein paar Gramm zugelegt und säuft gierig. Ein alleiniges Aufstehen ist nach wie vor nicht möglich, aber wenn ihm beim Aufstehen geholfen wird, kämpft er sich ein paar Schritte auf den gegipsten Füßen Richtung Euter. Die Ärzte geben Jodok inzwischen eine realistische Chance und machen uns Hoffnung: mit etwas Glück kann Jodok später einmal komplett gerade stehen und man wird nichts mehr von seinen verkürzten Sehnen und Bändern mehr sehen.

Anfänglich arbeitete die Blase nicht zuverlässig, die Ärzte berichten uns heute, dass Jodok regelmäßig "pieselt" und die Blutwerte sich nun normalisiert haben. Unser Hengstchen ist einfach zu früh geboren!

3 Monate später ...

Jodok

Ein kleiner Tinker Wonneproppen, der mal so richtig stämmig werden wird!

Jodok hat in den letzen Monaten mit seiner Mutter einen Stallwechsel hinter sich. Wir zogen zu einem guten Freund um, der sich hinreissend um den kleinen Wonneproppen kümmerte. Jodok stand im 2.Lebensmonat viel auf hartem Untergrund, was wichtig für die Streckung und Festigung seiner Gelenke war. Bereits nach 4 Wochen der Klinikentlassung stand er fasst durchgestreckt auf dem einen Bein, welches er zu Beginn im Vorderfußwurzelgelenk anknickte. Das andere Bein mit der Verkürzung der Sehnen im Karpalgelenk war noch längere Zeit "windschief".

Jodok und seine Mutter wurde auf die Weide mit Fohlengesellschaft umgesiedelt. Dort mußte er sich viel bewegen! Da er hier sogar auf sehr steilem Weideland (Allgäu) laufen mußte, hat er sich zu einem Prachtburschen entwickelt. Das Füßchen mit dem problematischen Verkürzungen im Karpalgelenk ist heute zu 99% gerade; nur wenn er sehr müde ist, knickt er hier und da noch einmal ab.

Jodok ist inzwischen ein normaler "Tinkerfohlen" geworden. Naja, fast normal ;-). Er rennt mit Spielkameraden um die Wette, testet die Menschen aus und hat das tinkertypische "ich-bin-stur-wie-ein-Muli-Gen"!