Das richtige Führen
Wofür ist korrektes Führen gut?:
Sicherheit und problemloser Umgang miteinander im Alltag, Förderung von Disziplin, Gehorsam und Geduld. Förderung des Vertrauensverhältnisses zwischen Pferd und Reiter. Geklärte Dominanz zwischen Mensch und Tier, keine gefährlichen "Machtkämpfe" am Führstrick.
Was benötigt man?:
Ein stabiles gut sitzendes Halfter, Führstrick, lange Gerte (ca. 1,20 m), eventuell auch Führkette
Wie geht man vor?
Im Grunde genommen, fängt das Führtraining bereits beim Saugfohlen an. Ab ca. einem Jahr kann man dann auch einen Positionswechsel beim Führen einnehmen. Ebenso ist das Pferd nun alt genug, um mit ihm eine gewisse Zeit ohne Mutter spazieren zu gehen oder es über einfache Bodenhindernisse hinwegzuführen ( was man ja ganz toll mit einem schönen Spaziergang in der Natur verbinden kann!).
Zu beachten gilt, dass man beim beginnenden Führtraining das junge Pferd am besten neben sich gehen lässt, der Hals ist etwa auf Schulterhöhe des Reiters. Dies gewährleistet größtmögliche Kontrolle über das Tier.
Diese Position ist für das Pferd gar nicht so einfach einzunehmen, da im Herdenverband ein "nebeneinander - her - laufen", oder gar neben dem ranghöheren Tier - nicht nur unüblich, sondern vielmehr gefährlich wäre, da das Alphatier natürlich blitzschnell seine Position verteidigen würde und das andere Pferd mit Schlägen und Bissen traktieren würde! Deshalb müssen wir uns daran erinnern, dass diese Lektion des Führens eine ganz "neue" Lektion für die Kreatur Pferd ist - und alles Neue braucht Zeit, bis es gekonnt wird!
Um das Pferd auf dieser Position zu halten, brauchen wir die treibende und verhaltende Hilfen, für deren korrekten Einsatz die Gerte (als Verlängerung des Armes) erforderlich ist. Die Gerte wird benutzt um das Pferd, falls notwendig, "anzuschieben", also zu treiben.
Um das Pferd antreten zu lassen:
- korrekter Führposition neben das Jungpferd und zupft mit leichter Vorwärts-Abwärtstendenz am Führstrick/Führkette.( Kein Druck unter dem Kinn ausüben, da sonst der Gegenzug nach oben erfolgt!)
- Zeitgleich touchiert man das Pferd mit der Gerte am Hinterschenkel und treibt es damit an.
- Es wird sich dann in Bewegung setzten, worauf der Zug am Halfter sofort(!) eingestellt wird.
- Das Pferd soll am durchhängenden Strick neben seinem Menschen herlaufen und möglichst die Führposition aufrecht erhalten (also: auch nicht überholen lassen!!)
Zum Halten zu bringen, benutzt man synchron:
- Stimme,
- Körpersprache (evtl. 180 Grad Wendung des Körpers),
- Gerte vor die Brust/Kopf des Tieres,
- halbe Paraden, um das Pferd auf das kommende Signal "Steh" vorzubereiten
- und erst ganz zum Schluss erfolgt der Zug auf das Halfter. Dies ist aber meist nur am Anfang notwendig, da bei einem gut ausgebildeten Pferd die alleinige Körpersprache und/oder Stimme des Trainers reicht, um das Pferd zum Anhalten zu veranlassen. Beim direkten "ins Halfter fassen" macht man nicht nur jegliche differenzierte Einwirkung unmöglich, sondern man baut allein auf rohe Kraft, die im Zweifelsfall sowieso zugunsten des Pferdes ausfallen wird.
Beachte:
Je jünger das Pferd ist, desto schwieriger ist es für es auch korrekt neben seinem Menschen stehen zu bleiben und dann möglichst bewegungslos zu verharren. Deshalb mit einem jungen Pferd nur kurz üben, das heißt mit einem Jahr braucht das Pferd nicht länger als 10/15 Sekunden still stehen zu bleiben, aber diese Zeit muss es stehen und zwar mit Konsequenz!
Man kann das Pferd auch immer wieder mit der Gerte sanft Abstreichen, um die Konzentration zurückzuholen oder die Zeit zu verkürzen, auch das ist erlaubt. Aus diesen wenigen Sekunden des Verharrens können bis zum Einreiten dann mehrere Minuten werden, in denen das Pferd gelernt hat still und gelassen stehen zu bleiben.
Abschließend bleibt zu sagen, dass es natürlich ganz wichtig ist, dass das Pferd im Abstand zum Menschen läuft und dass man da auch Konsequenz walten lassen muss. Denn wer kann nicht erahnen, wie schmerzhaft es ist, wenn ein sich erschreckendes Pferd, das einem im Rücken folgt, plötzlich den Führenden über den Haufen springt! Deshalb: nicht nur im Verkehr gilt: "Abstand halten!" - auch für das junge Tier gehört das zur Lektion Nr. 1!
